Im Märchenwald - eine Zeitreise

Es war ein warmer Samstag Nachmittag im Oktober und es war ein ganz besonderer Nachmittag, denn an diesem Tag entdeckten wir den Märchenwald !

Unser Spazier-Gang führte uns diesmal in den Laaerwald! Mit dem Bus 15 A fuhren wir von Meidling bis zum Alten Landgut und spazierten dort ein Stück

den Stadtwanderweg 7 entlang. Bis zum Heimstadion der Austria, der Generali Arena von wo aus der Schwarzer Weg zur Theodor Sickelgasse führt.


Von hier aus gibt es bereits einen kurzen Waldweg bis zur Kreuzung Laaerbergstraße/Bitterlichstraße.

Ein paar Minuten die Bitterlichstraße entlang und wir landeten bei der Verlängerung der Wiesenthalgasse wieder auf dem Gebiet des Laaerwaldes.


Wir hielten uns entlang des Zaunes, denn wir wollten unbedingt zu den beiden Seen – dem Blauen Teich und dem Butterteich!



Auf dem Weg zum Blauen Teich bemerkte Claudia einen Trampelpfad, der direkt in den Wald führte. Neugierig wie wir sind, folgten wir diesem Pfad und was uns da erwartete, übertraf an Schönheit alles was wir jemals in einem Wald gesehen hatten. Der Herbst hatte den Wald mit seinen Farben in einen richtigen Märchenwald verwandelt. Wir fühlten uns wie ALICE IM WUNDERLAND !


Obwohl es fast unmöglich war, diese Schönheit mit der Kamera einzufangen, wollten wir diesen Moment in diesem zauberhaften Wald unbedingt festhalten.



Um diese leuchtenden Farben noch eine Weile zu genießen, kehrten wir nicht zu dem eigentlichen Weg zurück, sondern folgten dem Trampelpfad, der uns zu einem kleinen Holzstand führte.




Ein kurzes Stück weiter des Weges und wir waren beim Blauen Teich angelangt.


Rund um den Teich ist ein Vogelschutzgebiet und so ist dieser nicht zugänglich! Gottseidank gibt es noch solche Gebiete.

Ein Stück weiter des Weges landeten wir beim Butterteich, auch dieser ist Schutzgebiet und nicht zugänglich. Der Laaerwald ist für zahlreiche Tierarten ein wichtiger Lebensraum.




Der Weg den beiden Teichen entlang mündete in der Holztorwiese und unser Blick fiel auf ein hölzernes Tor – dem Maramures Tor !

Aus Anlass der österreichischen EU-Präsidentschaft 2005 schenkte Rumänien das hölzerne Tor, das im traditionellen Stil der Gegend Maramures geschnitzt wurde.

http://wien1-23.blogspot.com/2016/02/10-laaer-wald-maramureser-tor.html


Wir gingen allerdings nicht durch das Tor, sondern spazierten entgegengesetzt Richtung Böhmischer Prater.

Vom Otto Geißler Platz – dem Parkplatz beim Böhmischen Prater – mündet ein kurzer Weg direkt zur Parkanlage Löwygrube. Hier auf dem Gipfel – dem Monte Laa, wie er im Volksmund gerne genannt wird, gibt es einen herrlichen Ausblick über Wien. Dies ist ein beliebter Ausflugsort um zu picknicken und auch zu Silvester kommen Menschen hierher um das Neue Jahr zu begrüßen und das Neujahrs-Feuerwerk zu genießen.

https://www.wien.gv.at/umwelt/parks/anlagen/loewy.html



Hier ist mein Vater mit uns Kindern bis in den 11. Bezirk gerodelt – die Rodelbahn war nicht ungefährlich und ziemlich lang, aber mein Vater war ein begnadeter Rodler und wir Kinder hatten einen Riesenspaß.

Gerodelt wird hier noch immer, aber nur über die kleineren Hügeln Richtung Hundezone.


Nach diesem wunderbaren Ausblick machten wir uns auf den Weg Richtung Böhmischer Prater. Ich denke es ist gut 30 Jahre her, dass ich diesen Weg zuletzt gegangen bin.

Damals gab es noch nicht so viele Ringelspiele. Einige Alte haben sich gehalten, wie z.B. dieses.

https://de.wikipedia.org/wiki/Böhmischer_Prater

Von den Gasthäusern ist der Werkelmann noch immer da, der hatte immer ein hervorragendes Essen und für mich die besten Krautrouladen.

Auch den Bierstadl gibt es noch. Aber wir entschlossen uns für den Werkelmann. Unsere Wahl fiel auf ein Schnitzel mit Kartoffelsalat.

Bei der Bestellung fielen mir an der Theke frisch gebackene Mäuse ins Auge, da mussten unbedingt drei Stück für den Sonntagskaffee mit.


Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg Richtung Absberggasse/Schrankenberggasse. Wenn wir schon in meinem alten Heimatbezirk unterwegs waren, musste ich Claudia unbedingt zeigen, wo ich meine Jugendjahre verbrachte habe.

Die Adresse lautete Feuchterslebengasse 67/Stiege 8! Diese Gasse ist sehr kurz und in Wirklichkeit nur ein Weg. Niemand, der uns besuchte, hatte sie gleich beim ersten Mal gefunden.

Aber das Preyersche Kinderspital kannten viele und die Stiege 8, war gleich visavis vom Eingang.

Das Spital wurde 2017 abgerissen und auf diesem Areal entstanden neue Wohnbauten.


https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Gottfried_von_Preyersches_Kinderspital




Ein beliebter Treffpunkt von uns Jugendlichen war genau vor unserer Stiege die Sandkiste, die von Bänken umgeben war. Diese Sandkiste gibt es nicht mehr und auch die Bänke sind verschwunden.

An der hinteren Seite der Stiege 8 im dritten Stock war unser Balkon. Zwei Schirme befinden sich darauf, die Wohnung ist also bewohnt.


Die alten Wohnbauten, die im Jahre 1962-64 errichtet wurden, sind 3 Stock hoch, jedoch gegenüber steht ein 10 stöckiges „Hochhaus“ – wir nannten es so. So viele Hochhäuser gab es damals noch nicht und es hat uns sehr beeindruckt.

Das Hochhaus hat einen Durchgang, dieser war früher auch ein beliebter Treffpunkt! Wir spazierten durch und gingen weiter bis zur Kudlichgasse, wo sich auch der Puchsbaumplatz mit dem Puchsbaumpark befindet.


Die Kudlichgasse führte uns zur Laaerbergstraße und weiter gings zum Reumannplatz. Dieser Platz wurde endlich auch ein bisschen schöner gestaltet. Hier befindet sich das Amalienbad. Dieses Bad wurde 1926 eröffnet und ist somit auch ein sehr altes Städtisches Bad.

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Amalienbad

Unsere Tour war hier zu Ende und wir nahmen die U1 heimwärts.

Am darauffolgenden Montag wollte ich die warmen Sonnenstrahlen nützen und begab mich wieder Richtung Favoriten. Mit der Linie 6 fuhr ich vom Westbahnhof bis zur Absberggasse und spazierte den Weg bis zur Ankerbrotfabrik.

Diese liegt ja gleich hinter dem Areal der neuen Bauten in der Feuchterslebengasse. Sie war also nur einen Katzensprung von meinem zu Hause entfernt und meine Familie nutzte die regelmäßigen Angebote, die es seinerzeit in der Brotfabrik gab.

Ich erinnere mich, dass es am ersten Samstag im Monat Brot, Gebäck und Kuchen besonders günstig zu kaufen gab. Da gab es für uns Kinder immer was Süßes und wir freuten uns immer schon sehr darauf.

Heute besteht das Fabriksareal aus Lofts und Veranstaltungssälen.

Ein paar alte Schilder erinnern noch an die damalige Zeit.




https://de.wikipedia.org/wiki/Ankerbrot

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Ankerbrotfabrik


Ich nahm die Puchsbaumgasse Richtung Böhmischer Prater. Kurz nach der Unterführung der Südosttangente, lief mir eine Katze über den Weg, nur einen kurzen Moment hielt sie inne und husch, weg war sie. Ich musste lächeln. Ab hier setzt sich die Puchsbaumgasse als "Laaer Wald" fort.


An der Kreuzung Laaer Wald/Urselbrunnergasse bemerkte ich linker Hand einen Waldweg – ich entdeckte ich den Unterwald. Von diesem hatte ich bis dato noch nie gehört.

Gleich zu Beginn des Waldweges steht die St. Anna Kapelle, man nennt sie auch Hubertuskapelle, da es eine Stätte der Andacht für alle Jäger in Wien ist.

Ich kam zu einer Kreuzung, von wo aus man linkerhand bis in den 11. Bezirk zur Ostbahn spazieren kann, aber ich nahm den Weg geradeaus und landete direkt beim Minigolf im Böhmischen Prater. Dazu gehört auch ein altes Ringelspiel.

Ein Schriftzug an der Mauer neben dem Ringelspiel erinnert an die Anfangszeiten im Böhmischen Prater.

Wie am Wienerberg gab es auch am Laaerberg eine Ziegelproduktion. Hier wurde Lehm abgebaut.

Wo die Puchsbaumgasse in den "Laaer Wald" mündet sind noch die alten Schienen der Zubahn, die von der Fabrik zur Ostbahn führte, sichtbar.

https://montelaa.biz/343/

Im Block Puchsbaumgasse/Schrankenberggasse/Kiesewettergasse/Absberggasse

stehen noch die ehemaligen Arbeiterwohnhäuser.

Diese bemerkenswerten Arbeiterwohnhäuser entstanden 1885 / 1886 nach Plänen von Josef Unger. Es handelt sich um 18 Einfamilienhäuser in Sichtziegelbauweise mit Dachgiebeln, zu denen jeweils ein Garten gehört. Solche nach englischem Vorbild errichteten Arbeiterwohnhäuser fanden in Wien sonst keine Verbreitung. Sie standen im Eigentum des Vereins für Arbeiterwohnhäuser, der sich 1896 auflöste und dann von der Kaiser-Franz-Joseph-I.-Jubiläumsstiftung für Volkswohnungen und Wohlfahrtseinrichtungen übernommen wurde. Die Anlage steht unter Denkmalschutz.

https://de.wikipedia.org/wiki/Puchsbaumgasse







Am Heimweg von dieser spannenden Zeitreise war ich mit meinen Gedanken im Märchenwald. Diesen werde ich so schnell nicht vergessen und vielleicht erscheint er ja im nächsten Jahr wieder ??




(c) Fotos Claudia Thonhauser und Angelika Högn










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Meine Gedanken

gehen spazieren

sollte ich mich irren

oder sind es immer

die selben,

die mich umkreisen.

Ich kann sie nicht sehen

und doch sind sie da,

aber spüren kann ich sie

zum Beispiel jetzt

da sind sie ganz nah.

Sie lassen mich

einfach nicht los!

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